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BERUFSSTART aus Sicht der Kammer(n)
Helmut Adamy, Präsident der Handwerkskammer Südthüringen
Sehr geehrte Unternehmerinnen und Unternehmer,
Sehr geehrte Schulleiterinnen und Schulleiter,
Sehr geehrte Vertreter der Agenturen für Arbeit,
Sehr geehrte Vertreter der Industrie und Handelskammern,
Sehr geehrte Vertreter der Handwerkskammern,
Sehr geehrte Bildungsbegleiter,
Sehr geehrte Vertreter der Steuerungsgruppe BERUFSSTART plus,
Sehr geehrte Schülerinnen und Schüler,
Sehr geehrte Gäste,
Ich begrüße Sie alle hier in dieser altehrwürdigen Klosterkirche in unserem Berufsbildungs- und Technologiezentrum Rohr Kloster und freue mich, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Vor uns, vor Ihnen, liegt ein anstrengender Tag und ich hoffe, Sie gehen heute nach dieser Tagung alle mit Erkenntniszuwachs nach Hause. Gestatten Sie mir einige Gedanken darzulegen, bevor Sie dann als Experten an die Arbeit gehen.
Berufsbildungspolitik beschäftigt sich schon längst nicht mehr nur mit der Ausbildung selbst, sondern schließt die Berufsorientierung / Berufswahlvorbereitung ebenso ein wie die Nachqualifizierung.
Ich möchte hier nicht die Vorzüge des dualen Ausbildungssystems in Deutschland hervorheben. Das hieße vor diesem Auditorium die berühmten Eulen nach Athen zu tragen.
Wichtig ist aber, dass möglichst viele Jugendliche dieses duale Ausbildungssystem durchlaufen können und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und eine lebenslange Beschäftigung deutlich verbessern.
Vor etwas mehr als 5 Jahren haben Bildungsexperten der Handwerkskammer das Szenario einer extrem absinkenden Schulabgängerzahl ab 2009 / 2010 und das bei Schülerinnen und Schülern oft vorherrschende negativ belastete Vorurteil gegenüber Handwerksberufen vor Augen, nach Wegen einer effektiven Berufsorientierung gesucht.
Sehr schnell kam man darauf,
dass Schüler sehr frühzeitig Teile der Berufs- und Arbeitswelt erleben sollten.
dass Schüler, wenn er denn schon existiert, „ihren Wunschberuf“ in der Praxis erleben sollten.
dass Schüler „ihren Wunschberuf“ nicht nur in einem Bildungszentrum, in quasi „geschützter Atmosphäre“, sondern auch in einem Betrieb erleben sollten.
dass eine vorangestellte Eignungsfeststellung, spätere Enttäuschungen reduzieren würde.
dass ein solches Projekt nicht allein vom Thüringer Handwerk geschultert werden kann.
Deshalb gab es sehr schnell auch Kontakte mit den Bildungsexperten der Thüringer Industrie- und Handelskammern. Diese unterstützten die Idee und steuerten eigenes Gedankengut mit bei. Eine Idee wurde langsam „rund“. Was nützen aber „runde Ideen“, wenn die Verwirklichung etwa am Geld scheitert.
Der Thüringer Landesregierung sei gedankt, dass sie sehr frühzeitig in ihren Förderrichtlinien die Berufsorientierung mit verankert hatte. Damit war eine Säule der Förderung vom Grundsatz her gesichert.
Wenn Wirtschaft im Bildungsbereich Schule etwas möchte, geht das nicht im Alleingang, da gehört der Bereich Kultus mit dazu. Ich habe mir sagen lassen, dass in der „Zeit der Schwangerschaft“ von BERUFSSTART der „Berufswahlpass“ und die „Berufswahlfreundliche Schule“ noch in den Kinderschuhen steckte.
Allerdings hatte man eine qualifizierte Berufsorientierung schon im Fokus. Die Kammeridee fand also einen Nährboden. Nun wissen wir ja alle, dass sich eine bundesweit tätige und von Steuerzahlern finanzierte Organisation, nämlich die Bundesagentur für Arbeit mit ihren Agenturen für Arbeit, ebenfalls damit befasst, Schulabgängern den Weg in das Berufsleben zu ebnen. Es machte also keinen Sinn, die Agenturen für Arbeit außen vor zu lassen.
Die Organisatoren wählten den Weg über die Regionaldirektion Sachsen – Anhalt – Thüringen in Halle, „ihre Idee“ dort vorzustellen. Ich lasse mal eine ganze Menge weg, denn Sie können sich vorstellen, dass zwar alle die Idee gut fanden, der Königsweg der Finanzierung aber dennoch nur sehr mühsam gefunden wurde.
Aus dieser Chronologie bis zum 1.8.2003, dem Starttag des Projektes BERUFSSTART, ist auch zu verstehen, warum es von Beginn an eine Steuergruppe in diesem Projekt gibt und gab, in der alle Bereiche mit jeweils einem Vertreter sitzen.
Die Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung Thüringen GmbH (GFAW), als Einrichtung, über die die Gesamtfinanzierung läuft, sitzt natürlich auch in der Steuergruppe. Ebenso saß in der Steuergruppe die wissenschaftliche Begleitung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wurde.
Für die einen unter Ihnen war das noch einmal der „Eildurchgang“ durch längst vergangene Zeiten, für die anderen unter Ihnen war es die Demonstration des Erfolgsrezepts von BERUFSSTART.
„BERUFSSTART“ und auch „BERUFSSTART Plus“ ist nicht irgendein Berufsorientierungsprojekt, nein, es ist ein wirtschaftsnahes Berufsorientierungsprojekt. Es ist zudem landesweit in Thüringen aufgestellt. Es erfasst aber auch mittlerweile eine ganz erhebliche Zahl von Schülerinnen und Schülern – insgesamt immerhin 10.000!
Die Wirtschaft merkt längst, dass BERUFSSTART genau der Weg ist, Schülerinnen und Schüler auf die Berufswahl und den Ausbildungsbeginn, also den BERUFSSTART vorzubereiten.
Eltern merken, dass sie Hilfe erhalten, Berufsberater und Berufsberaterinnen der Agenturen für Arbeit spüren ebenfalls Hilfe. Lehrerinnen und Lehrer spüren nach der Absolvierung der Berufsorientierungsbausteine eine zum größten Teil deutlich verbesserte Lernmotivation.
Die Wirtschaft, ich komme noch einmal auf den auch von mir vertretenen Bereich zurück, registriert deutlich weniger Abbrecher. Das Credo von BERUFSSTART lässt sich in einem Satz formulieren: Alle ausbildungswilligen und ausbildungsreifen Schülerinnen und Schüler sollen am Ende der Schulzeit die Chance auf eine Ausbildung erhalten!
Weit vor dem Ende von BERUFSSTART waren sich alle Beteiligten einig, dass es eine Fortsetzung geben soll. Nun ist es in Deutschland so, dass zwar etwas gut sein kann, dass es aber durchaus nicht logisch ist, Gutes auch fortzusetzen. Nur gut, dass man sehr zeitig am „Fortsetzungsrad“ gedreht hat. Erschwerend kam dazu, dass die neue ESF Förderperiode genau in den Wechsel zum neuen Projekt hinein fiel. Das hat bei Verantwortlichen schon zu dem einen oder anderen grauen Haar mehr geführt.
Was macht man also, dass aus einem „Modellprojekt“ ein „schwerpunktmäßig gefördertes Projekt“ wird? Man gibt sich natürlich einen neuen Namen. In diesem Namen muss aber der Erfolgsgarant wieder erkannt werden. So wurde aus BERUFSSTART schließlich BERUFSSTART plus!
Die Kofinanzierungspartner blieben, aber die geförderten Bereiche oder geförderten Teile des Projektes wurden anders zugeordnet. Die entscheidende Änderung der Finanzierung aber lag bei der nunmehr dezentralen Antragstellung. Damit wurde aus dem „Projektträger“ Handwerkskammer Südthüringen der „Projektkoordinator“ Handwerkskammer Südthüringen.
In der logischen Konsequenz der veränderten Antragskonstellation haben nunmehr auch die Agenturen für Arbeit in der Steuergruppe einen Vertreter. Es würde aber der Sache nicht gerecht, wenn man die Änderungen hin zu „BERUFSSTART plus“ auf die Projektbezeichnung und die Finanzierung reduzieren würde.
„Zeitstrahl“ und „Schnittstellenpapier“ hat man mir gesagt, sind wichtige Dokumente die das Zusammenwirken von Berufsberatern der Agenturen für Arbeit und den Bildungsbegleitern von „BERUFSSTART Plus“ beschreiben. Die Begriffe „Zeitstrahl“ und „Schnittstellenpapier“ sind Fachbegriffe, die Ihnen mehr sagen als mir.
Damit ist es eigentlich Zeit für mich, hier das Rednerpult zu verlassen. Ein Tag ist nicht lang! Ergebnisse sollen heute auf dieser Fachtagung auch erreicht werden.
Ich möchte nach meinen Ausführungen Herrn Staatssekretär Eberhardt das Wort übergeben. Von ihm erhoffen sich die Akteure und auch ich Aussagen zur Einordnung von „BERUFSSTART plus“ in die bildungsstrategischen Überlegungen seines Hauses!
Vielfalt an Berufsorientierungs– Maßnahmen oder in erster Linie eben „BERUFSSTART Plus“ ? – das ist die Frage! Kann „BERUFSSTART Plus“ eine Regelleistung seitens des Thüringer Kultusminis-teriums werden? Bisher finanzieren ja die Partner einschließlich der Wirtschaft selbst weit mehr als das Thüringer Kultusministerium selbst.
Angesichts der demografischen Entwicklung benötigt die Wirtschaft jeden Schulabgänger! Wir alle können es uns nicht leisten, Schulabgänger auf der Strecke zu lassen. Das wäre nicht nur fatal für die Wirtschaft, das wäre auch ungünstig für den Steuerzahler.
Im Verlauf der heutigen Fachtagung werden eine ganze Reihe wichtiger Fragen beantwortet, aber sicher auch neue Fragen aufgeworfen werden. Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg.
Eines möchte ich aber nicht vergessen haben. Es ist das Dankeschön an alle Fördergeber von BERUFSSTART und „BERUFSSTART plus“. 2009 bzw., wenn die Option greifen kann, 2011 wird es dann immer-hin 6 bzw. 8 Jahre wirtschaftsnahe Berufsorientierung in Thüringen geben. Das ist eine Leistung, auf die Thüringen im Vergleich zu allen anderen Bundesländern stolz sein kann!
Aus diesem Stolz sollten wir alle, vor allem Sie als Akteure, weiteres Engagement ableiten, Engagement, das ausdrücklich auch Innovation einschließt.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!
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