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BERUFSSTART in Thüringen – Ziele, Konzeption und bisherige Ergebnisse - Einführung in die Diskussion
Günter Supp, Handwerkskammer Südthüringen Projektkoordinator

 

 


 

   

   

 

Vortragspräsentation (1.386 kb)

Herr Staatssekretär,
meine sehr verehrten Damen und Herren, 
die vierjährige Modellphase des Projekts BERUFSSTART ist in diesem Sommer zu Ende gegangen. Wir sind stolz darauf, dass die Ergebnisse unserer Arbeit alle Finanzierungspartner überzeugt hat, das Projekt unter dem Namen BERUFSSTART PLUS zunächst für weitere 2 Jahre mit neuen Akzenten als schwerpunktmäßig gefördertes Projekt weiterzuführen. Die neuen Schwerpunkte dieses Projektes bestehen in der arbeitsmarktorientierten Berufswahlvorbereitung und in der Entwicklung von Dienstleistungen für Betriebe und Schulen.

Im Auftrag der BERUFSSTART-Steuerungsgruppe möchte ich Ihnen heute einen gemeinsamen Bericht der Projektleitung bei der Handwerkskammer Südthüringen und der wissenschaftlichen Begleitung durch qualiNETZ Beratung und Forschung GmbH über die in diesem Jahr zu Ende gegangene vierjährige Modellphase des Projekts BERUFSSTART vortragen und einen Ausblick auf die weiteren Schwerpunkte während der soeben begonnenen neuen Förderphase geben.
Ausgangsvoraussetzungen und Ziele des Projekts
Als wir im Jahre 2003 BERUFSSTART begonnen haben, war uns klar, dass allein mit herkömmlichen Methoden der Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage an Ausbildungsplätzen nicht beizukommen war. Die Ausbildungsplatz- Angebots-Nachfragerelation lag für Thüringen im September 2003 bei 93,0. Das heißt, für hundert Jugendliche, die eine Ausbildungsstelle suchen, standen rechnerisch nur 93 Stellen zur Verfügung. Die Jugendarbeitslosigkeit bei Jugendlichen unter 25 Jahren ist in Thüringen im Verlauf der Jahre 2000 bis 2003 um etwa 4.500 gestiegen. Neue Ausbildungsverträge wurden vor allem in solchen Berufen geschlossen, in denen es bereits eine hohe Zahl an Arbeitslosen und nur wenige offene Stellen gab. Von den im Jahr 2003 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen waren 32,4 Prozent nicht betrieblich. Ca. 20% aller Ausbildungsverträge wurden deutschlandweit vorzeitig gelöst. Für jede(n) Dritte(n) stand der Abbruch im engen Zusammenhang mit der Berufswahl. Mädchen konzentrierten sich zu 50% (bei Jungen 30%) auf die so genannten 10 „Hitberufe“. Betriebe beklagten zunehmend die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger. Es zeigte sich eine weitgehende Diskrepanz zwischen dem Leistungsstand der Schulabgänger und den Leistungsanforderungen der Arbeitswelt.
Diese Gesichtspunkte zeigten für die Projektpartner die Notwendigkeit auf, ergänzend zu den Bemühungen um mehr betriebliche Ausbildungskapazitäten auch bei den Jugendlichen selbst anzusetzen und sie auf dem Weg in die Ausbildung nicht alleine zu lassen. Durch eine frühzeitig beginnende Berufswahlorientierung wird die Entwicklung der Berufswahlkompetenz und eine aktive Auseinandersetzung mit den realen Bedingungen des Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gefördert. Die Jugendlichen sollen frühzeitig berufliche Interessen und Stärken erkennen und motiviert werden, ihre beruflichen Perspektiven aktiv und zielgerichtet zu verfolgen. Sie sollen die verbleibenden drei Jahre bis zum Abschluss der Sekundarstufe 1 nutzen, möglichst viel an schulischer Bildung mitzunehmen, damit sie ihre beruflichen Ziele verwirklichen können.
Diese frühzeitige Berufsorientierung ist nicht allein Aufgabe der Schule. Vielmehr wird durch die Bildungsbegleitung der Thüringer Kammern auch ein Beitrag der Thüringer Wirtschaft geleistet, indem bereits während der Schulzeit eine individuelle Begleitung und Unterstützung der Jugendlichen ermöglicht wird. Sie werden ermutigt, eigene Ziele zu entwickeln und aktiv zu verfolgen sowie Verantwortung für ihre berufliche Perspektive zu übernehmen. Aus der Gesamtzahl der betreuten Schülerinnen und Schüler werden insbesondere Jugendliche mit schwierigen Startchancen intensiver begleitet. Indem berufliche Stärken besser zum Ausdruck gebracht werden, sollen auch diejenigen mehr Chancen bekommen, die aufgrund ihrer Zeugnisse allein nicht zu den bevorzugten Bewerberinnen und Bewerbern zählen.
Die Ziele des Projekts BERUFSSTART in Thüringen sind,
bereits während der Schulzeit berufliche Interessen und Stärken der Jugendlichen erkennen und entwickeln,
allen Jugendlichen, die es wollen und können, beim Verlassen der Schule einen Ausbildungsplatz oder – sofern die Ausbil-dungsreife noch nicht erreicht worden ist – gezielte Berufsvorbereitung anzubieten,
einen nahtlosen Übergang von der Schule in Ausbildung oder Arbeit zu erreichen,
die Zahl der Auszubildenden entschieden zu senken, die die Ausbildung aufgrund unzureichender Berufswahlorientierung wieder abbrechen.
Ein besonderes Augenmerk gilt denjenigen Jugendlichen, die aufgrund von Problemen bei Übergang in Ausbildung zu scheitern drohen.
Rahmenbedingungen und Kooperationsstrukturen des Projekts
BERUFSSTART ist ein Gemeinschaftsprojekt
der drei Thüringer Handwerkskammern,
der drei Industrie- und Handesskammern,
der Agenturen für Arbeit in Thüringen und der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt – Thüringen der Bundesagentur für Arbeit,
des Thüringer Kultusministeriums
und des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Arbeit.
Weiterhin ist die Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung im Freistaat Thüringen mbH als Mittel verwaltende Stelle beteiligt.
Alle Kooperationspartner sind in der Steuergruppe präsent und arbeiten eng zusammen.
Das Projekt wird finanziert aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit und vom Freistaat Thüringen mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds. Während der vorausgegangenen vierjährigen Modellphase wurde von 2004 bis 2006 zusätzlich eine wissenschaftliche Begleitung aus dem BQF- Programm "Kompetenzen fördern" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert. BERUFSSTART Plus wird in diesem Schuljahr an 110 Thüringer Regelschulen mit ca. 10.000 Schülerinnen und Schülern der Klassen 7 bis 10 durchgeführt.
Alle Projektpartner verpflichten sich auf gemeinsame Qualitätsstandards:
Kompetenzfeststellung
Langfristig und frühzeitig einsetzend
Breites Berufsfeldangebot
Einsatz von Orientierungsbausteinen
Nachweis des Trägers über Wirtschaftsnähe
Einbindung der Betriebe (Betriebliche Bausteine)
Externe pädagogische Begleitung (Bildungsbegleitung)
Vorhalten von qualifizierten Ausbildungspersonals
Sicherung von begleitenden Angeboten
Schwerpunkte des Konzepts
Berufsstart beginnt in Klasse 7 mit einer beruflichen Kompetenzfeststellung bei Bildungsträgern und einem Berufsneigungstest der Berufsberatung. In der zweiten Hälfte der Klasse 7 und in der ersten Hälfte der Klasse 8 werden jeweils ein Berufsorientierungsbaustein bei einem Bildungsträger durchgeführt. Die Jugendlichen lernen Tätigkeiten aus verschiedenen Ausbildungsberufen kennen und absolvieren innerhalb des Bausteins ein Projekt, durch das sie mit den verschiedenen für den Beruf typischen Techniken, Arbeitsschritten und Werkstoffen in Berührung kommen.
Die Ergebnisse der Kompetenzfeststellung und der berufsfeldbezogenen Orientierungsbausteine werden mit den Schülerinnen und Schülern individuell ausgewertet, bei Interesse auch gemeinsam mit den Eltern. Die Lehrerinnen und Lehrer erhalten aus den Ergebnissen Anregungen, um Beispiele aus der beruflichen Anwendung in ihre Fächer aufzunehmen und die Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern.
In der Klasse 8 werden ergänzend betriebliche Bausteine zur Orientierung in Berufen durchgeführt, zu denen es keine Angebote bei Bildungsträgern gibt, etwa im Gesundheitsbereich. Somit können alle Berufe, die bei den Schülerinnen und Schülern Interesse finden, in Form von Berufsorientierungsbausteinen erprobt werden. Dies ist nur durch eine Kooperation mehrer Partner möglich. Wer zu Beginn der Klasse 9 noch keine klaren Berufsziele hat, kann im Bedarfsfall noch einen weiteren Berufsorientierungsbaustein bei einem Bildungsträger durchlaufen. Ansonsten dienen die insgesamt vier betrieblichen Bausteine in den Klassen 9 und 10 der Anbahnung von Ausbildungsverhältnissen. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich in Betrieben bewähren, ihre künftigen Chefs von ihren Stärken und Entwicklungspotenzialen überzeugen. Sie sollen gleichzeitig aber auch vor Ausbildungsbeginn prüfen, ob der Beruf tatsächlich für sie richtig ist und ob sie in dem Betrieb klar kommen.
Die betrieblichen Bausteine unterscheiden sich von herkömmlichen Praktika dadurch, dass die Schülerinnen einen strukturierten Einblick über die verschiedenen Tätigkeitsbereiche eines Berufes, über die Betriebsstruktur und über das soziale Klima im Betrieb bekommen. Die Betriebe sollen sich von ihnen ein Bild machen, wie sie mit Aufgabenstellungen und Problemlösungen umgehen und sich in den Betrieb einfügen. Diese „Probeausbildung“ ist unserer Meinung nach ein besseres Instrument der Auswahl von Ausbildungsplatzbewerberinnen und Bewerbern als allein die Sichtung einer schriftlichen Bewerbung mit Lebenslauf und Zeugnissen. Besonders diejenigen Jugendlichen, deren Zeugnisse nicht glänzen, können hier Stärken zeigen, die in der Schule nicht so deutlich zum Ausdruck kommen.
Die Bildungsbegleitung wertet die Ergebnisse der verschiedenen Kompetenzfeststellungen und Bausteine aus und unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, ihre beruflichen Ziele und Strategien klarer zu formulieren und entsprechende Schritte zu ihrer Umsetzung zu unternehmen: zum Beispiel weitere Informationen besorgen, Rat und Empfehlungen der Berufsberatung einholen, weitere betriebliche Bausteine oder Praktika durchzuführen oder gezielte Anstrengungen zu unternehmen, um die für ihren Berufswunsch geforderten schulischen Leistungsvoraussetzungen zu erreichen.
Durch diese auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler ausgerichtete Förderung und Begleitung ergänzt die Bildungsbegleitung die Bemühungen der Schulen im Bereich der Berufswahlorientierung. Als Berufsbildungsfachleute bringen sie Wissen und Informationen aus dem Arbeitsleben in die Schule hinein. Im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaften SchuleWirtschaft in Thüringen beteiligen sie sich an der Organisation von Erkundungen und Informationsveranstaltungen oder holen Personalverantwortliche aus Betrieben an die Schulen.
Die Bildungsbegleitung ist eine Ergänzung zu den Angeboten der Berufsberatung, weil sie sich auf den individuellen Entwicklungsprozess der Schülerinnen und Schüler konzentriert. Diese kommen nach den bisherigen Erfahrungen mit sehr viel klareren Vorstellungen zu ihren beruflichen Zielen und Möglichkeiten in das Beratungsgespräch der Berufsberatung, so dass diese viel gezielter und wirksamer berufliche Möglichkeiten aufzeigen und Ausbildungsstellenangebote vermitteln kann.
Die bisherigen Erfolge von BERUFSSTART
Ich möchte Ihnen an dieser Stelle die wichtigsten Projekterfolge im Überblick vorstellen:
Es gelingt,
die Jugendlichen frühzeitiger auf die Zeit nach der Schule zu orientieren, die Lernmotivation und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler entsprechend zu erhöhen und damit die Ausbildungsreife zu verbessern.
möglichst viele Hauptschulabsolventen in eine duale Ausbildung zu integrieren.
den Anteil der Jugendlichen zu senken, die mangels Ausbildungsreife in weiterführende Berufsvorbereitungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit, anderer Finanziers oder der Berufsschulen einmünden.
den Verbleib in der betrieblichen Erstausbildung zu erhöhen und damit die Abbrecherquote zu senken.
Übergangsquoten
Der Anteil derjenigen, die im Anschluss an die Klassenstufe 9 den Realschulabschluss erreichen möchten, ist deutlich höher ist als im Jahr vor BERUFSSTART und im Vergleich zu den Thüringer Schülerinnen und Schülern insgesamt. Insgesamt 68,1 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus der Klassenstufe 9 besuchen weiterhin die Regelschule. Von denen, die nach Klassenstufe 9 die Schule verlassen, besuchen 52,5 Prozent eine Berufsfachschule mit dem Ziel Realschulabschluss. Mit dem Projekt ist es also gelungen, die Lernmotivation und die Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler deutlich zu erhöhen.
Übergänge in betriebliche Ausbildung
Die Übergänge in betriebliche Ausbildung im Schuljahr 2006/2007 sind mit 36,1 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt (32,8 Prozent). Allerdings haben nur 20,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit Hauptschulabschluss den Sprung in eine betriebliche Ausbildung geschafft.
Der Anteil der Jugendlichen, die mangels Ausbildungsreife in weiterführende Berufsvorbereitungsmaßnahmen (BVB) der Bundesagentur für Arbeit etc. einmünden, konnte im Vergleich zum Schuljahr 2005/2006 leider nicht gesenkt werden. Diese Übergangszahlen sind noch zu hoch. Das ist einerseits auf die hohen Anforderungen der Betriebe an ihre Bewerberinnen und Bewerber zurückzuführen, die sich eher den Realschulabschluss als Mindestvoraussetzung wünschen. Andererseits ist auch ein gewisser Automatismus im Beratungsprozess der Berufsberatung festzustellen, die Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss von vornherein auf das Berufsgrundbildungsjahr und die Berufsfachschule orientieren. Um die hohe Zahl der Einmündungen in das so genannte Übergangssystem zu senken, müssen in der nächsten Projektphase geeignete Strategien in Zusammenarbeit zwischen Bildungsbegleitung, Kammern, Berufsberatung und Schulen umgesetzt werden.
Ein weiterer Erfolg besteht darin, dass die Verbleibsquote in Ausbildung wesentlich höher ist als im Thüringer Durchschnitt. Nur 6,4 Prozent der BERUFSSTART-Schülerinnen und Schüler haben nach vier Monaten den Ausbildungsvertrag wieder gelöst. In Thüringen insgesamt haben im Jahr 2005 22,3 Prozent den Ausbildungsvertrag wieder gelöst, 9,0 Prozent im ersten Ausbildungsjahr. Die BERUFSSTART-Schülerinnen und Schüler bewerben sich in einem für sie geeigneten Berufsfeld und sind über Anforderungen im Ausbildungsberuf informiert. So wird vermieden, dass sie aufgrund von falschen Erwartungen die Ausbildung bereits frühzeitig beenden.
Bildungsbegleitung
Die Bildungsbegleitung hat sich als wichtiger Partner bei der Berufsorientierung bewährt. Sowohl die Lehrkräfte als auch die Schülerinnen und Schüler schätzen diese als Ansprechpartner zu allen Fragen der beruflichen Orientierung und Berufsvorbereitung – ergänzend zu den Aufgaben der Berufsberatung. Das Resultat ihrer Arbeit bestand darin, dass sich die Jugendlichen durch die Arbeit der Bildungsbegleitung und deren Präsenz über mehrere Schuljahre hinweg stärker mit dem Thema Berufsorientierung auseinandersetzen als in den vergangenen Schuljahren. Ein weiterer wesentlicher Effekt besteht, wie schon erwähnt, in der Bereitstellung von Dienstleistungen für die Schulen.
Kompetenzfeststellung und Orientierungsbausteine
Die Kompetenzfeststellung und Orientierungsbausteine sind nach den Aussagen sowohl der Lehrkräfte als auch der Schülerinnen und Schüler geeignete Instrumente, um allererste Aussagen über berufliche Interessen, Stärken und vorhandene Sozialkompetenzen zu machen und herauszufinden, welche Berufe zu den Fähigkeiten und Neigungen der Jugendlichen passen. Viele Schulen nutzen die Ergebnisse für die weitere individuelle Förderung der Jugendlichen. Ein wesentliches Ergebnis der Kompetenzfeststellung ist die erste Motivation der Schülerinnen und Schüler zur Auseinandersetzung mit beruflichen Fragen.
Betriebliche Bausteine
An den betrieblichen Bausteinen schätzen die Schülerinnen und Schüler vor allem, dass sie verschiedene Aufgabenfelder des Berufsbildes kennen lernen, unterschiedliche Arbeitsabläufe gezeigt bekommen und zur eigenständigen Lösung berufsbezogener Aufgaben angeregt werden. Das Zutrauen der Betriebe in die Leistungen der Jugendlichen wächst offensichtlich, je länger die Jugendlichen im Projekt sind. Die Betriebe können sich ein besseres Bild über die Bewerberinnen und Bewerber machen als dies in den üblichen Bewerbungsverfahren der Fall ist. Weiterhin könnten sich die BERUFSSTART-Schülerinnen und Schüler besser einbringen als die üblichen Praktikanten.
Übergangsmanagement
Die geplanten Aktivitäten zur individuellen Übergangsbegleitung konnten nur zum Teil umgesetzt werden. Die Bildungsbegleiterinnen und Begleiter haben in der letzten Phase vor Ende des Schuljahres vor allem Bewerbungsadressen an die unversorgten Schülerinnen und Schüler weitergegeben und diese gezielt an die Berufsberatung vermittelt. Die Vermittlung in zusätzliche Praktika zwecks Ausbildungsanbahnung sowie das gezielte Bewerbungstraining konnten nicht durchgeführt werden - das Bewerbungstraining führen die Schulen nach wie vor in Kooperation mit den Krankenkassen durch. Zur Verbesserung der Übergangszahlen in betriebliche Ausbildung muss in den kommenden Projektjahren das Übergangsmanagement noch optimiert werden.
Verzahnung der drei Säulen der Berufswahlorientierung in Thüringen
BERUFSSTART als schwerpunktmäßig gefördertes Projekt ist eine der drei Säulen der Berufswahlorientierung in Thüringen. Mit seinen Qualitätsstandards werden Maßstäbe auch für andere Projekte in diesem Bereich gesetzt. Insbesondere die Bildungsbegleitung als Schnittstelle zur Berufsberatung bewährt sich als eine Strategie, die über eine Orientierung und Information hinaus eine gezielte, indivi-duell ausgerichtete Förderung der Jugendlichen bereits während der Schulzeit bewirkt. Sie soll dafür sorgen, dass im Anschluss an die Regelschule eine gesicherte Perspektive nach Möglichkeit in Form einer betrieblichen Ausbildung vorhanden ist.
Die beiden weiteren Säulen in der Federführung der Landesarbeitsgemeinschaft Schule/Wirtschaft sind
die flächendeckende Einführung des Berufswahlpasses zur Dokumentation der Ergebnisse des Berufswahlprozesses der Schülerinnen und Schüler und
die Dokumentation der Bemühungen der Schulen um Berufswahlorientierung durch das Q-Siegel und dessen künftige Integration in den Entwicklungsprozess zur eigenverantwortlichen Schule.
Der Berufswahlpass ist an den BERUFSSTART-Schulen fest als Instrument verankert. Die in BERUFSSTART erzielten Ergebnisse und Dokumente (zum Beispiel Bausteinzertifikate und Beurteilungen) werden dort eingeheftet und beim Gespräch in der Berufsberatung vorgelegt.
Am Netzwerk Q-Siegel sind die Thüringer Kammern ebenso wie die übrigen BERUFSSTART-Partner beteiligt.
Das SIEGEL berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule hat zum Ziel
„die berufliche Orientierung von Schülern zu verbessern,
die Zusammenarbeit von Schulen mit ihren externen Partnern auszubauen,
Transparenz nach innen und außen zu schaffen,
den Wettbewerb um Ideen und Qualität anzuregen und damit
die Qualität der Berufswahlorientierung an Schulen zu erhöhen sowie
einen möglichen Einstieg in die Qualitätsentwicklung von Schulen aufzuzeigen.“
Thüringen schreibt als erstes Bundesland das Q-Siegel „Qualitätssiegel Berufswahlfreundliche Schule“ flächendeckend aus. Von den an BERUFSSTART beteiligten Schulen sind sechs mit dem Q-Siegel für berufswahlfreundliche Schulen ausgezeichnet worden.
Weiterführende Aufgaben – neue Ziele
Für die nächsten zwei Jahre BERUFSSTART PLUS stehen folgende Ziele im Vordergrund:
Das individuelle Übergangsmanagement soll noch wirkungsvoller ausgestaltet werden, um den Anteil der Hauptschüler mit Perspektive betriebliche Ausbildung weiter erhöhen zu können. Für Schülerinnen und Schüler, die die Schule mit dem Hauptschulabschluss verlassen wollen, können im letzten Schulbesuchsjahr Dauerpraktika in Betrieben organisiert werden, in denen anschließend eine Übernahme in Ausbildung möglich ist. Auch eine bessere Abstimmung zwischen Bildungsbegleitung, Berufsberatung und Berufsbildenden Schulen hinsichtlich der Einrichtung geeigneter Berufsvorbereitungsangebote mit dem Ziel betriebliche Ausbildung für noch nicht ausbildungsreife Jugendliche erscheint erstrebenswert.
Das Dienstleistungsangebot für Betriebe soll erweitert werden. In Zusammenarbeit mit den Berufsberatungen der Agenturen für Arbeit und den Ausbildungsberatungen und Ausbildungsplatzentwicklern der Kammern sollen Betriebe gezielt auf das BERUFSSTART-Angebot zurückgreifen können, ausgewählte Bewerberinnen und Bewerber im Rahmen von betrieblichen Bausteinen zu erproben und differenzierter beurteilen zu können. Damit sollen auch Jugendliche mit weniger optimalen schulischen Voraussetzungen bessere Chancen bekommen und bisher nicht ausbildende Betriebe gewonnen werden.
BERUFSSTART entwickelt ein Angebot für die Schulen aus einer Hand. Über die bisherigen Instrumente hinaus sollen verschiedene Aktivitäten der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben mit gefördert und einbezogen werden, etwa Personalchefs in die Schulen einzuladen, Betriebserkundungen durchzuführen oder Bewerbungstrainings anzubieten und Bewerbungsmanagement zu begleiten. Die Bildungsbegleitung unterstützt bei der Weiterentwicklung der Schulprogramme in Bezug auf den Übergang von der Schule in den Beruf.
Die Entwicklung von Selbstverantwortung und Eigeninitiative der Schülerinnen und Schüler soll noch stärker unterstützt werden. Dies kann zum einen durch eine konsequentere Nutzung des Instrumentes Zielvereinbarungen (in enger Abstimmung mit Schule und Berufsberatung) geschehen, zum anderen auch durch die Entwicklung zusätzlicher Angebote wie zum Beispiel Kompetenztrainings oder Trainings zum Ausbildungs-Knigge.
Weitere Ziele für die nächsten zwei Jahre sind die Sicherung eines flächendeckenden BERUFSSTART-Angebotes für alle Regionen Thüringens sowie die noch stärkere Verzahnung der Aktivitäten der Bildungsbegleitung, der Kammern, der Berufsberatung und der Schulen.
Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz ausdrücklich bei allen Menschen bedanken, die in der Vergangenheit am Erfolg von BERUFSSTART beteiligt waren, insbesondere auch den Bildungsbegleiterinnen und Begleitern der Kammern und Kooperationspartner. Mein Dank gilt insbesondere auch den verantwortlichen Entscheidern im Thüringer Wirtschaftsministerium, im Kultusministerium und in der Bundesagentur für Arbeit, die die Finanzierung dieses großen Projektes in den letzten vier Jahren und auch für die kommenden zwei Jahre abgesichert haben. Auch an das Bundsministerium für Bildung und Forschung geht unser Dank, das uns durch sein BQF-Programm „Kompetenzen fördern“ eine wissenschaftliche Begleitung gefördert hat, die durch ihre Entwicklungsarbeiten, ihre Impulse bei der Umsetzung und nicht zuletzt durch die Auswertung der Ergebnisse maßgeblich zum Erfolg von BERUFSSTART und zu seiner Weiterführung als schwerpunktmäßig gefördertes Projekt beigetragen hat.