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Forum 4: Was leistet Schule? Und noch mehr!
Einführung; Thomas Heß, Thüringer Kultusministerium
Akzeptanz und Umsetzung von BERUFSSTART aus Sicht der Schulen - Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung; Marion Lemken, qualiNETZ GmbH
Schule braucht Wirtschaft – Wirtschaft braucht Schule. Strategien zur erfolgreichen Berufs- und Studienwahlvorbereitung; Anette Morhard, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT (LAG) Thüringen
Die wesentlichen Inhalte der Diskussion
Die Wirtschaft fordert von den Schulen, die Jugendlichen besser auf die Anforderungen des Arbeitslebens vorzubereiten: durch eine bessere Berufswahlorientierung, durch die Vermittlung von Kompetenzen für die Arbeitswelt und nicht zuletzt durch eine Verbesserung der Schulnoten. Vielfach konzentrieren sich Kooperationsangebote der Wirtschaft darauf, dass sich Schule in Richtung auf die Wirtschaft verändern muss. In BERUFSSTART bringt die Wirtschaft dagegen in erheblichem Maße eigene Leistungen in die Schule ein: durch die Bildungsbegleitung, durch Orientierungsbausteine bei Bildungsträgern und durch betriebliche Bausteine als Instrumente zur Anbahnung von Ausbildungsplätzen. In dieser Arbeitsgruppe wurde deutlich, wie sich die drei Säulen der Berufswahlorientierung in Thüringen – BERUFSSTART, Berufswahlpass und das Gütesiegel – gegenseitig ergänzen und in die Konzepte in die Schulen integriert werden. Durch den Berufswahlpass können die Schüler/innen ihre Kompetenzen und ihr Engagement dokumentieren. Durch das Gütesiegel werden die Aktivitäten der Thüringer Schulen transparent und Anreize für noch mehr Engagement geschaffen. ermöglicht den Schüler/innen die praktische Erprobung.
Einführung
Thomas Heß, Thüringer Kultusministerium
Schule muss sich Gedanken machen, wie sie auf Beruf vorbereitet. Regelschulen sind in der Beziehung sehr weit. Sie haben verstanden, dass man den Bereich Berufswahlvorbereitung in das schulische Leben einordnen muss. Es gibt bereits viele Projekte und Partnerschaften in den Thüringer Regelschulen. Unsere Leistung in den nächsten Jahren muss sein, den erreichten Stand zu halten.
Aber: wir haben nicht nur Regelschulen im Land. In Gesamtschulen, Gymnasien und Förderschulen gibt es oftmals eine andere Situation. Wir wollen, dass sich die anderen Schulformen künftig stärker mit der Frage der Vorbereitung auf das spätere berufliche Leben beschäftigen.
Bei BERUFSSTART sieht man beispielhaft: Man kann keine Berufsvorbereitung mit Kreide an der grünen Tafel machen. Dies zeigt nicht die Wirkung, die sich dann einstellt, wenn die Schülerinnen und Schüler in Kontakt mit betrieblicher Realität kommen und sich selbst ausprobieren können. BERUFSSTART ist ein Projekt, das bestimmte Standards zur Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung in Thüringen vorgegeben hat.
Mit BERUFSSTART und anderen Projekten zur Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung wird aber weder den Eltern noch den Schülerinnen und Schülern selbst die Verantwortung aus der Hand genommen. Eltern stehen in der Pflicht und wir müssen sie gemeinsam auch immer wieder in die Pflicht nehmen, über den Entwicklungsweg ihrer Kinder nachzudenken und sich dort zu engagieren. Auch die Schülerinnen und Schüler selbst tragen für sich und ihr Leben die Verantwortung. Wir müssen in Gesprächen und im Unterricht immer wieder deutlich machen, dass sie – mit Unterstützung des Projektes BERUFSSTART – ihre Entscheidungen selbst treffen müssen.
Heute wollen wir ins Gespräch kommen darüber, was Schule im Prozess der Berufswahlvorbereitung und Berufsorientierung leisten kann und welche Rahmenbedingungen gewährleistet sein müssen.
Akzeptanz und Umsetzung von BERUFSSTART aus Sicht der Schulen - Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung
Marion Lemken, qualiNETZ GmbH
BERUFSSTART hat sich in den Schulen bewährt. Die Schulen konnten vor allem folgende Erfolge erreichen:
· Soziale Verhaltensweisen der Schülerinnen und Schüler konnten durch die Arbeit mit den Orientierungsbausteinen herausgebildet und weiterentwickelt werden.
· Die praktische Umsetzung der Orientierungsbausteine ermöglicht eine umfassendere Einschätzung der Schülerinnen und Schüler.
· Die Aktivitäten an der Schule bezogen auf berufsorientierende und –vorbereitende Inhalte sind erheblich ausgeweitet worden.
· Schülerinnen und Schüler waren besser als zuvor in der Lage, ihre Ausbildungssuche nach individuellen Interessen und Fähigkeiten auszurichten.
Dies ist das Ergebnis der Befragung von 67 Projektschulen im Jahr 2006. Die Schulen waren in der Lage, die mit dem Projekt erzielten Ergebnisse für die eigene Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern weiter zu nutzen. Die betrieblichen Bausteine wurden stärker gezielt nach Neigungen, Fertigkeiten und Berufswünschen ausgewählt und die Jugendlichen in einem stärkeren Maße als in bisherigen Praktika aktiv in die Arbeit einbezogen. Die Bildungsbegleitung hat sich als wichtiger Partner der Schule bewährt. BERUFSSTART ist demnach ein wichtiger Bestandteil der Schulen in Bezug auf Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung geworden. Die Ausweitung von 26 Schulen zu Projektbeginn auf 79 Schulen im Schuljahr 2006/2007 zeigt die Dimensionen auf, die das Projekt erreicht hat.
Für die künftige Projektphase wird der Schwerpunkt der Dienstleistungen für noch weiter ausgebaut. Leistungen können im Einzelnen sein:
· Beratung und Unterstützung bei der Erstellung eines Schulkonzeptes zur Vermittlung von Berufswahlkompetenz.
· Begleitende praxisnahe Fortbildungsangebote für Lehrkräfte.
· Unterstützung bei der Entwicklung von schulischen Förderangeboten.
Schule braucht Wirtschaft – Wirtschaft braucht Schule. Strategien zur erfolgreichen Berufs- und Studienwahlvorbereitung
Anette Morhard, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT (LAG) Thüringen
Die Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT (LAG) in Thüringen versteht sich als Plattform für Diskussionen wie z. B. zum Thema „Anforderungen der Wirtschaft an Schulabgänger“. Sie will den Dialog zwischen Unternehmen und Schulen fördern. Wichtige Initiativen der LAG sind der Thüringer Berufswahlpass und das Q-Siegel.
Der Thüringer Berufswahlpass ist eine Gemeinschaftsinitiative des Thüringer Kultusministeriums (TKM), des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThlLLM), des Verbandes Wirtschaft Thüringen (VWT), der Kammern, der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen und der Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT (LAG) Thüringen. Er wird mit Beginn der Klasse 7 in allen Thüringer Schulen eingesetzt. Er will den Berufs- und Studienwahlprozess reflektieren, planen und dokumentieren. Ziel ist die Stärkung der individuellen Berufswahlkompetenz der Schülerinnen und Schüler. Der Berufswahlpass dient als Kommunikationsmedium zwischen Schule, Elternhaus und externen Partnern und enthält Begleitmaterial für Lehrkräfte und Fortbildungsangebote. Auch die BERUFSSTART-Schulen verwenden den Berufswahlpass: Es werden alle Zertifikate und Bescheinigungen eingeheftet. Der Berufswahlpass dient als Grundlage für Gespräche mit der Beratungsfachkraft.
Das Qualitätssiegel (Q-Siegel) „Berufswahlfreundliche Schule“ wurde im Jahr 2004 von der IfB! Initiative für Beschäftigung! Regionales Netzwerk Thüringen gemeinsam mit dem Kultusministerium initiiert. Ziel ist es, die Selbstanalyse und Selbstbewertung der Schulen anzuregen. Die Schulen werden danach bewertet, wie sie die Berufswahlvorbereitung in das schulische Gesamtkonzept integrieren. Das Q-Siegel ist ein Instrument der Qualitätssicherung in der Vorbereitung Jugendlicher auf den Übergangsprozess von der Schule in Ausbildung bzw. Studium.
Zusammen mit dem Projekt BERUFSSTART und weiteren praxisorientierten Projekten zur Berufswahlvorbereitung bilden diese Initiativen die drei Säulen der Berufswahlvorbereitung in Thüringen.
Die wesentlichen Inhalte der Diskussion:
Den Schülerinnen und Schülern sind zum Teil eigene Stärken nicht mehr bewusst. Daher stellt der Berufswahlpass ein gutes Instrument dar, um gemeinsam Stärken und Fähigkeiten herauszuarbeiten. In einigen Schulen gibt es ergänzende Instrumente, die bereits in der fünften Klassenstufe einsetzen werden und in denen beispielsweise Eltern und Freunde die Aufgabe haben, zu beurteilen, was sie an Ihrem Kind / ihrem besten Freund besonders gut finden.
<Eine wesentliche Aufgabe der Schulen besteht aktuell darin, ein geschlossenes Konzept für die Berufswahlorientierung vorzulegen. Die Schulen sollen sich nicht in Projekten „verzetteln“. Wer sich an BERUFSSTART beteiligt, hat ein umfassendes Konzept zur Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung von Klassenstufe 7 an bis hin zum Übergang in Ausbildung.
Die Bildungsbegleitung fühlt sich von den Schulen gut unterstützt. Jede Schule arbeitet individuell, darauf muss sich die Bildungsbegleitung bei der Unterstützung und Beratung der Schule einstellen. Einige der Schulen haben bereits umfassende Konzepte zur Berufsorientierung, andere benötigen bei deren Erstellung Unterstützung und konzeptionelle Impulse.
Als positiv beurteilt wird der hohe Praxisanteil an BERUFSSTART. Die Aussage eines Betriebsleiters beispielsweise bezogen auf die Pünktlichkeit hat eine andere Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler als die wiederholte Ermahnung der Lehrkräfte.
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