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Neuausrichtung der Berufsorientierung und Berufsberatung
Lutz Mania, Bundesagentur für Arbeit RD Sachsen-Anhalt-Thüringen
 

 

 

 

 

 

 

 Vortragspräsentation (121 kb)

Sehr geehrte Damen und Herren,
eine Fachtagung sollte Impulse erfahren, die in Diskussionsrunden mit einfließen und so ein Impuls ist seitens der Bundesagentur für Arbeit als wichtigen Partner, wenn es um Ausbildung geht, zu erwarten. Das Thema hier lautet: Neuausrichtung der Berufsorientierung und Berufsberatung.
Diese haben wir ziemlich erfolgreich begonnen im Bereich der Arbeitsvermittlung, auch im Bereich der Leistungsgewährung und die Fortsetzung erfährt jetzt im Prinzip der Bereich der Berufsberatung, der Berufsorientierung, der Ausbildungsstellenvermittlung und auch der Bereich der beruflichen Rehabilitation. Das sind die Reformschritte, die wir jetzt angehen.
Wenn es um das Thema Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs geht, dann bettet sich das nicht nur in die Diskussion um das Thema Ausbildung ein, sondern auch in das Thema „Fachkräftebedarf“. Einen Fachkräftemangel gibt es derzeit in Thüringen noch nicht. Es gibt aber punktuell Fachkräftebedarfe, wo man ansetzen muss.
Lassen Sie mich zu Beginn meiner Ausführungen noch einmal nachvollziehen, was die Präambel des Nationalen Paktes für Ausbildung aussagt: Bildung und Qualifizierung sind die Grundlagen unseres Wohlstandes. Talente, Fähigkeiten und Fertigkeiten und das, was wir daraus machen, werden auf unserem Weg in die Zukunft entscheidend sein. Wir können es uns nicht länger leisten, auf Talente und Begabungen zu verzichten. Deshalb muss jeder junge Mensch, der am Anfang des Berufslebens steht, eine Perspektive erhalten. Von der Ausbildung und Qualifizierung unserer Jugendlichen hängt die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft der deutschen Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt ab. Der dualen Berufsausbildung kommt zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses eine herausragende Bedeutung zu.
Der Pakt ist eine Verpflichtung, in der sich alle Partner verpflichten, gemeinsam und verbindlich in enger Zusammenarbeit mit den Ländern allen ausbildungswilligen , allen ausbildungsfähigen jungen Menschen ein Angebot auf Ausbildung zu unterbreiten. Dabei bleibt die Vermittlung in das duale System vorrangig. Auch Jugendliche mit eingeschränkten Vermittlungschancen sollen Perspektiven für den beruflichen Einstieg erhalten.
Das sagt die Präambel zum Ausbildungspakt. Die Verpflichtung, die dahinter steht ist es - und aufsitzend auf dem Nationalen Pakt für Ausbildung ist ja auch der Thüringer Pakt für Ausbildung beschlossen - allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen in Thüringen ein Angebot zu unterbreiten - vorrangig im Bereich der dualen Ausbildung.
Wenn wir uns die Ergebnisse des Ausbildungsmarktes für das Jahr 2006 anschauen, so können wir festhalten, dass wir es am Ende der Nachvermittlungsaktion geschafft haben, jedem Jugendlichen eine Ausbildungsstelle anzubieten, ein Angebot zu unterbreiten und die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber zu reduzieren.
Wenn wir uns die Entwicklung in diesem Jahr ansehen, und Herr Eberhardt hat es gesagt, die wirtschaftliche Entwicklung zeigt uns ein gutes Bild, dann müssen wir feststellen, dass die Zahl der Ausbildungsstellen insbesondere in Thüringen gegenüber dem letzten Jahr deutlich angestiegen ist und sich parallel dazu die Zahl der unversorgten Bewerber gegenüber dem Vorjahr nahezu halbiert hat. Also ein sehr gutes Ergebnis: Die Zahl der Einmündungen in Ausbildung ist deutlich gestiegen, die Wünsche und die Angebote passen deutlich besser zusammen und was auch ein Erfolg ist: Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber ohne Schulabschluss liegt nur noch bei 5,1 Prozent. In diesem Jahr hat erstmals die Zahl der Altbewerber abgenommen. Allerdings haben wir aufgrund der demografischen Entwicklung einen deutlichen Rückgang an Jugendlichen, die die Schule verlassen. Bis zum Jahr 2010 wird sich die Zahl um mehr als 50 Prozent reduzieren.
Insgesamt 63 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind im Jahr 2007 nach Abschluss der Schule in eine Berufsausbildung eingemündet; 43 Prozent in eine betriebliche Berufsausbildung. Im letzen Jahr lag der Anteil der Ausbildungsanfänger noch bei 56 Prozent.
Wir sind ein bisschen stolz über die Ergebnisse des Ausbildungsmarktes im Jahr 2007 und sprechen von einer deutlich entspannteren Lage. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung müssen wir aber auch sagen: In ein bis zwei Jahren werden die Unternehmen kämpfen, um die Jugendlichen als Auszubildende übernehmen zu können. Wir stellen auch fest, dass die Studierneigung zunimmt. Wir haben in den letzten Jahren eine sehr große Ausbildungsneigung der Abiturienten feststellen können. In diesem Jahr haben wir erstmals wieder eine wachsende Studierneigung, was dem Thema der Fachkräfte und Führungskräfte, der Ingenieure und Hochqualifizierten Rechnung trägt.
Als Bundesagentur haben wir für das Jahr 2007 das Programm „Verbesserung der Ausbildungschancen Jugendlicher“ mit einem Haushaltsansatz und einem Finanzvolumen von 220 Millionen Euro aufgelegt. Wir möchten uns damit zusätzlich zu den bestehenden Möglichkeiten des SGB III und den festgeschriebenen Aufgaben von Berufsberatung und Berufsorientierung zusätzlich dem Thema widmen. Denn obwohl sich die Daten in diesem Jahr verbessert haben, haben wir immer noch eine schwierige Ausbildungsmarktlage mit einem hohen Bestand an unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern.
Die Bundesagentur investiert jährlich 3 Milliarden Euro für Jugendliche im Bereich der Ausbildung. Dazu zählt auch der Bereich der Rehabilitation. Damit ist das Budget in etwa so groß wie das Haushaltsbudget, das wir für den Bereich der Eingliederung in Arbeit aufwenden.
Wir sehen natürlich auch Verbesserungsmöglichkeiten des Übergangs durch präventive Maßnahmen. Die Zielsetzung des oben genannten Programms ist die Verbesserung der Schnittstelle Schule – Beruf durch vertiefte Berufsorientierung in der Schule. Dies impliziert aber auch die Verbesserung der Schnittstelle Schule – Wirtschaft.
Inhalt des Programms ist die vorübergehende Bereitstellung von zusätzlichen außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen. Eine der Verpflichtungen, die die Bundesagentur auch im Nationalen Pakt für Ausbildung wie auch im Thüringer Ausbildungspakt hinterlegt hat, ist die Erhöhung der Platzkapazitäten für überbetriebliche Ausbildung so lange, wie nicht genügend betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung stehen. Durch diese Initiative konnten in diesem Jahr 20 Prozent Jugendliche mehr in eine Ausbildung einmünden.
Zur Neuausrichtung der Berufsberatung und den Grundsätzen, nach denen wir arbeiten, möchte ich zwei Thesen formulieren:
Wir bringen Menschen und Arbeit zusammen und hier ist auch die Ausbildung mit gemeint.
Wir sind aber auch zu Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Wir möchten die Ressourcen, die wir besitzen – sowohl finanzielle als auch personelle – auf diejenigen konzentrieren, die tatsächlich unserer Hilfe bedürfen.
Wir wollen zum einen das Dienstleistungsangebot der Betreuung von Jugendlichen unter 25 Jahren und die Berufsberatung in das Kundenzentrum mit einbinden. Wir wollen parallel dazu aber auch die Ausbildungsvermittlung in die Philosophie der Handlungsprogramme einbinden. Wir haben standardisierte Produkte und standardisierte Prozesse für die Beratungs- und Vermittlungsprozesse mit Arbeits- und Ausbildungssuchenden. Diese sollen unseren Fachkräften helfen, zielgerichtet und punktgenau eine Integration in Ausbildung oder in Arbeit zu erreichen. Ziele der Neuausrichtung der Berufsberatung sind die Unterstützung, Aktivierung und Förderung an der ersten Schwelle unter stärkerer Berücksichtigung des Prinzips Fordern und Fördern – auch im Bereich der Ausbildungsvermittlung. Wir orientieren uns am Unterstützungsbedarf des Einzelnen unter Berücksichtigung des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes. Im Vordergrund stehen dabei Personengruppen, die der Unterstützung besonders bedürfen. Dadurch erreichen wir eine Systematisierung und Straffung des Dienstleistungsangebotes und eine stärkere Verbindlichkeit, Transparenz aber auch Nachvollziehbarkeit des Beratungs- und Vermittlungsprozesses für alle Beteiligten.
Mit dem Ratsuchenden wird klar festgelegt, welche Schritte wir gehen werden. Es wird schriftlich vereinbart, was die nächsten Schritte sind, was der Berufsberater tut, was vom Jugendlichen verlangt wird und welches Ziel wir gemeinsam verfolgen. Wir werden auch einfordern, dass das, was vereinbart worden ist, nachgehalten wird oder ob eine Korrektur des Ziel notwendig ist. In der Beratung ist es wichtig, die bewährten Elemente wie Individualität, Freiwilligkeit, Ergebnisoffenheit, störungsfreier Rahmen und Zeitbudget aufrecht zu erhalten aber eben auch einzubinden in die neuen Schritte und hier mehr Verbindlichkeit durch Ziel- und Eingliederungsvereinbarungen zu erreichen.
Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres unternehmen wir erhebliche Anstrengungen, um an die Jugendlichen heranzukommen und zu klären, ob diese in eine Ausbildung oder schulische Maßnahme einmünden werden und dadurch ihr Lebensweg klar ist. An dieser Stelle müssen wir schon noch die einen oder anderen Bemühungen anstellen und wir hoffen und glauben, dass mit den konkreten Vereinbarungen der Anteil derer, die uns eine Rückmeldung geben und ihre Situation bei uns aktualisieren höher ist als in den vergangenen Jahren.
Wir wollen aber auch die Nachhaltigkeit der Ausbildungsvermittlung beobachten. Das bedeutet nachzuvollziehen, ob die Ausbildung beendet werden konnte und zum Übergang in den Beruf geführt hat: Ist das Ausbildungsziel auch das Berufsziel geworden? Wir werden flächendeckend Kundenbefragungen durchführen. Die Ergebnisse der ersten Kundenbefragungen fielen im Bereich der Berufsberatung sehr gut aus – besser als im Bereich der klassischen Arbeitsvermittlung.
Das Thema der Berufsorientierung binden wir in die Entwicklung des Bereiches von Berufsberatung und Arbeit mit Jugendlichen unter 25 Jahren ein. Viele Elemente haben sich bewährt: Berufsorientierung als Hilfe zur Selbsthilfe, Vorstellung und Vorbereitung der Dienstleistungen der Teams, Vorstellung der Medien und der Beratungskompetenzen für den Jugendlichen und die Zusammenarbeit mit Partnern auf Basis der getroffenen Vereinbarung - wie auch mit BERUFSSTART.
Es gibt leicht veränderte Akzente im Bereich der Berufsorientierung. So wird die Unterstützung leistungsschwächerer Jugendlicher verstärkt. Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler werden mehr als zuvor zur Eigeninitiative angeregt: Diejenigen Jugendlichen, die im Rahmen der Berufsorientierung soweit kommen, dass ihr Ausbildungsziel klar ist, werden von uns bei der Realisierung unterstützt. Dagegen konzentrieren Ressourcen der Berufsberatung auf die Jugendlichen, die noch nicht wissen, was sie wollen. Durch das Projekt BERUFSSTART ist der Anteil derjenigen höher, die bereits eine Berufsrichtung benennen können. Wir werden es aber nicht erreichen, dass alle Jugendlichen tatsächlich mit Abschluss der 10. Klasse für sich eine Berufsentscheidung getroffen haben und alle Voraussetzungen dafür geklärt sind. Insofern wird es weiterhin eine intensive Beratungsarbeit in den Agenturen für Arbeit geben müssen.
Unser Ziel ist es aber nicht, zu erreichen, dass jeder Jugendliche, der die Schule verlässt, die Berufsberatung besuchen muss. Es sollen nur diejenigen kommen, die auch Hilfe benötigen.
Die stärkere Einbindung von Schule und Wirtschaft in die Berufswahlvorbereitung ist ein weiterer Akzent der Neuausrichtung. Wir haben uns verpflichtet, die Konzepte der örtlichen Agenturen zur vertieften Berufsorientierung, die in der Praxis sehr unterschiedlich sind, jährlich zu überprüfen, ob sie den Zielstellungen noch entsprechen.
Mit der Berufsorientierung als präventive Maßnahme zur Vorbereitung des Übergangs von der Schule in den Beruf verfolgen wir auch geschäftspolitische Ziele. Wir wollen zum einen den präventiven Ansatz stärken, wir wollen aber auch eine Orientierung auf Zielgruppen, die verstärkt unsere Unterstützung brauchen. Wir verfolgen das Ziel, gemeinsame Lösungsansätze mit Ländern und Kommunen zu betreiben und Nachhaltigkeit dort zu dokumentieren.
Mindeststandards von Maßnahmen der vertieften Berufsorientierung sind umfassende Informationen zu Berufen und Berufsfeldern, Strategien zur Berufswahl und Entscheidungsfindung, Interessenerkundungen, eine vertiefte Eignungsfeststellung durch den Einsatz von Kompetenzfeststellungsverfahren, fachpraktische Erfahrungen durch die Einbindung des Lernortes Betrieb und die Verbesserung der Fähigkeit zur Selbsteinschätzung. Dazu gehören müssen auch die Entwicklung von Realisierungsstrategien und sozialpädagogische Begleitung und Unterstützung.
Das Projekt BERUFSSTART Plus erfüllt die oben genannten Punkte und steht für eine verstärkte Kooperation von Schule und Wirtschaft. Die Beteiligung der Bundesagentur beträgt 1,5 Millionen Euro für die Modellphase von Mitte 2003 bis 2006. Die weitere finanzielle Beteiligung der örtlichen Agenturen beträgt für den Zeitraum von August 2007 bis Juli 2009 nochmals mehr als 1 Million Euro.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!