Home Rückblick Fachtagung Perspektiven der Berufsorientierung aus pädagogischer und ökonomischer Sicht
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BERUFSSTART in Thüringen - Ziele, Konzeption und bisherige Ergebnisse

  Vortragspräsentation (28 kb) 

Die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Arbeitswelt ist ein altes pädagogisches Programm: Wir finden es in den Konzepten zur Arbeitslehre, die schon in den 60er Jahren entwickelt worden sind, wir finden es in der polytechnischen Bildung und wir finden es ebenso in den älteren pädagogischen Traditionen, zum Beispiel im Philanthropismus (für Thüringen: Salzmann / Schnepfenthal!), und wir finden es in den Produktionsschulen, die ihre Wurzeln in Frankreich und später in Russland haben, und schließlich auch in den verschiedenen reformpädagogischen Konzepten des frühen 20. Jahrhunderts, in der Arbeitsschulbewegung.
Damit verbunden war immer eine vehemente Kritik an der Schule, an ihrer „Lebensfremdheit“ in ihren Inhalten und ihren Methoden. Diese Problematik spitzt sich in unserer dynamischen Gesellschaft deutlich weiter zu. Lebenswelten junger Menschen verändern sich durch neue Medien und Kommunikationsformen, auch die Arbeitswelt wird für junge Menschen und ihre Eltern immer komplexer und anforderungsreicher.
Diese Anforderungen müssen zunehmend mehr individuell bewältigt werden: die sicheren Einmündungswege in die Arbeitswelt gibt es für viele Jugendliche nicht mehr. Individualisierung heißt: das Individuum mit seinen Wünschen und Interessen ernst nehmen.
Jugendliche haben Berufswünsche und entwickeln Berufsperspektiven. Dabei werden Erfahrungen von Eltern, Freunden, sozialen Milieus aufgenommen, der reale Einmündungsprozess ist langer Weg zwischen Orientierung, Selbstreflexion, Erprobung und Suche nach (Aus-)bildungsmöglichkeiten. Dieser Prozess muss pädagogisch gestaltet werden, damit sich nicht eine höchst problematische „Sozialisationslücke“ entwickelt. Standardangebote helfen kaum mehr weiter, weil sie an die Stelle individualisierter Betreuung und Beratung Standardangebote setzen, die die Interessen der jungen Menschen nur begrenzt aufnehmen können.
Die Betreuung des Übergangsprozesses muss relativ früh beginnen und immer den individuellen Entwicklungsstand und die Berufsvorstellungen aufnehmen. Sie sollte Eltern und Freunde mit einbeziehen, ist also ein sozialer Prozess, nicht nur eine individuelle Betreuung.
Die Betreuung zur Berufseinmündung muss mit der „Kraft der individuellen Entwicklungswünsche“ arbeiten. Sie muss die Spannung zwischen institutionellen Angeboten, Chancen auf dem Ausbildungsstellenmarkt und individuellen Wünschen aushalten und fruchtbar machen.
Schule muss in der Region situiert und vernetzt sein. Es bedarf eines dauerhaften Systems von Kontakten in die Region, insbesondere auch in die regionale Wirtschaft. Dieses System muss „gepflegt“ werden!
Angebote und Anforderungen der Betriebe und der Berufe müssen den Lehrerinnen und Lehrern weitgehend bekannt sein. Das Ausbildungsstellenangebot und das Berufsbildungssystem müssen transparent gemacht werden. Der Übergangsprozess muss in seinem Zeitverlauf verfolgt, betreut und evaluiert werden!
Schülerinnen und Schüler müssen auf die verschiedenen Phasen der Einmündung vorbereitet werden: Vorbereitung auf die Betriebspraktika, Abstimmung von Erwartungen, Bewerbungstraining, berufliche Selbstreflexion, Revision von Berufswünschen etc.
Insgesamt handelt es sich hier um ein höchst anspruchsvolles Programm.
Offene Fragen:
Unter welchen Bedingungen kann die Schule dieses Programm erfüllen?
Welche Organisationsentwicklungsprozesse sind erforderlich?
Wie ist Lehrerweiterbildung zu gestalten?
Welche Ressourcen sind innerhalb der Schule erforderlich?
Welche Entwicklungschancen bieten sich für die einzelnen Schulen und für die Lehrkräfte?
Welche Angebote und Erwartungen bestehen von Seiten der Betriebe und der Wirtschaft?
Welche Angebote ergeben sich aus der Region und der Kommunalpolitik?
Welche Unterstützung leisten die Arbeitsagenturen und die ARGEN?
Am Schluss: Wo müssen die pädagogisch begründeten Grenzen eines solchen Programms liegen?
 
 

 

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